Abenteuer in der Heimat: Literarische Albwanderung

Sonntag, 30. Juni 2013
Mit Hermann Kurz vom Lenninger ins Neidlinger Tal
Leitung: Andreas Vogt, Kulturamt der Stadt Reutlingen

Wanderstrecke: Brucken – Sattelbogen – Rauber – Breitenstein – Ochsenwang – Randecker Maar – Heimenstein – Bahnhöfle – Reußenstein – Hofgut Reußenstein – Neidlingen
(11.17 Uhr Kirchheim Bahnhof)
11.31 Uhr Haltepunkt Brucken
14.00 Uhr Mörikehaus Ochsenwang
18.19 Uhr Neidlingen Bus 174

Dann stand ich oben am Rande des Breitensteins, stürzte mit den Blicken seine jähe Wand hinab, sah, auf einem kühnen Felsenzacken frei über dem Abgrund reitend, hinaus in das sanfte Gelände … Dann wandtich mich links und begrüßte die alten wohlbekannten Berge: dort lag die Teck, ernsthaft und wachsam, als Vorposten des Hochlandes, hinter ihr, herwärts, lauerte der Rauber, durch den Sattelbogen von ihm getrennt stand der Neufen schwermütig mit seinen gebrochenen Mauern, und aus der Ferne schaute, wie mit halbem Leibe rückwärts gewandt, die heimatliche Achalm herüber.
Die Liebe der Berge, 1839

Darauf fragte er mich aus, wie es auf Erden stehe, und ich gab ihm Bescheid, so gut ich konnte. Er schüttelte den Kopf und sagte: Wenn ich so von hundert zu hundert Jahren nachsehe, so ists eben immer wieder das nämliche Lied, und will nimmer besser werden. In unsern Tagen ist wohl auch nicht alles gewesen wie es sein sollte, aber ihr Wichtlein und Würmer seid doch das ungerechteste und hochmütigste unter allen Geschlechtern, die nacheinander unter der Sonne dahingewandelt sind. Das beste war das älteste, das Geschlecht der ersten Riesen, mit dem ich noch gelebt habe als ein kleiner Knirps; denn ich gehöre schon zum zweiten Riesengeschlecht, bin aber der älteste von diesen, daher ich auch meinen Namen trage, weil ich vor allen meinen Brüdern hier daheim gewesen bin. Du mußt aber nicht meinen, ich sei damals kleiner gewesen als jetzt, nein, ich war nur ein Knirps gegen die Urriesen, die zuerst das Land inne hatten. Damals waren sie noch viel großer als jetzt. – Nun? unterbrach er sich, da ich ihn bei diesen Worten verwundert ansah, hast du sie noch nie gesehen, oder sind sie dir nicht groß genug?
Wer denn? fragte ich.
Krabbelst ja zwischen ihnen herum, erwiderte er, und siehst sie nicht? Meinst du denn, die seien immer so still und ruhig gewesen, wie jetzt, wo ihr sie für Berge haltet? Nein, die haben auch ihren Tag gehabt, und Händ und Füß, so gut wie ich und du, und Leben und Lebenslust, und wenn sie zusammenkommen wollten, so haben sie nicht so viel Schritte gebraucht wie ihr Erdenkäfer. So groß sie aber waren, so waren sie doch wie Kinder, ohne Arg und Falsch, und die Zeit, die ich unter ihnen gelebt habe, ist meine beste gewesen.
Bergmärchen, 1858

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