Wissenschaftliche Tagung

Hermann Kurz zum 200. Geburtstag

An H. K.
Sei mir, Dichter, willkommen! denn dir hat wahrlich die Muse
Heiter Lippen und Stirn und beide die glänzenden Augen
Mit unsprödem Kusse berührt, so küsse mich wieder!

Eduard Mörike betrachtete Hermann Kurz, dem er dieses Epigramm
widmete, als seinesgleichen; auch andere Zeitgenossen
schätzten Kurz, nicht nur in seiner württembergischen Heimat,
sondern in ganz Deutschland – die produktive Freundschaft
mit Paul Heyse, mit dem er unter anderem den „Deutschen
Novellenschatz“ (1871–1875) herausgab, und die Verleihung der
Ehrendoktorwürde der Universität Rostock 1865 zeugen davon.
Dennoch gehört Hermann Kurz zu den großen Vergessenen der
deutschen Literatur; Heyse stellte die „Verschollenheit“ von Kurz
schon zu dessen Lebzeiten fest, im Buchhandel spielte und spielt
er kaum eine Rolle, ebenso wie in der literaturwissenschaftlichen
Forschung – und wenn, so seien doch meist, wie Gert Ueding
moniert, nur „Allgemeinplätze“ über ihn zu lesen.

Kurz stammt aus einer Familie, die tief in der freien Reichsstadt
Reutlingen verwurzelt ist; er hat sich, obwohl Jahre nach der
Mediatisierung geboren, stets als ein Reichsstädter gefühlt, hat in
seinem Werk das reichsstädtische Leben und die Vergangenheit
seiner Heimat immer wieder heraufbeschworen. Sein „städtischer
Nationalstolz“ machte ihn zu einem Außenseiter in einer Zeit der
politischen und gesellschaftlichen Umbrüche; sein politisches
Denken, das von Demokratie und Weltoffenheit geprägt war, trieb
ihn in die Opposition, zunehmend litt er an den Verhältnissen, die
auch die Wirkung seiner literarischen Werke behinderten, denn
die Verleger lehnten sie als unbequem ab, die erhofften Erfolge
blieben aus. So war sein Leben geprägt von Rückschlägen,
Berufswechseln, Armut und Brotarbeit, bis er schließlich an der
Tübinger Universitätsbibliothek eine Anstellung als Zweiter Unterbibliothekar
bekam.

Es verwundert, dass unter solchen Bedingungen ein so formal
wie inhaltlich vielfältiges und eindrucksvolles Werk hat entstehen
können: neben Novellen, Romanen und Erzählungen auch
zahlreiche Übersetzungen, literarhistorische Arbeiten sowie
politische und journalistische Texte. Es ist fast vollständig neu
zu entdecken. Die interdisziplinäre wissenschaftliche Tagung will
dazu einen Beitrag leisten.

Tagungsorte:
28. November: Uhlandsaal, Museum Tübingen, Wilhelmstraße 3, 72074 Tübingen
29./30. November: Großer Sitzungssaal, Rathaus Reutlingen, Marktplatz 22, 72764 Reutlingen

Tagungsbüro/Anmeldung:
Kulturamt Reutlingen
Andreas Vogt
Tel. 07121 303-2882
andreas.vogt@reutlingen.de

Konzeption/Organisation:
Dr. Stefan Knödler
Universität Tübingen
Deutsches Seminar
Wilhelmstraße 50
72074 Tübingen
Tel. 07071 29-75324
stefan.knoedler@uni-tuebingen.de

Das Tagungsprogramm als PDF-Datei zum Herunterladen

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