Vertraute „Nahwelt“?

Drei literarische Abende über Heimat und Hermann Kurz in der Stadtbibliothek Reutlingen

Anlässlich des 200. Geburtstags von Hermann Kurz sind in der Stadtbibliothek Reutlingen drei renommierte Autoren der Gegenwart zu Gast. Mit ihren „kritischen Heimatromanen“ beleuchten Andreas Maier, Annika Scheffel und Anna Katharina Hahn ihre „Nahwelt“. Doch ist die wirklich so vertraut, wie sie zunächst erscheinen mag? Eine Frage, die einst auch Hermann Kurz umtrieb. Moderiert werden die Lesungen von Tilman Krause, Literaturkritiker und Feuilleton-Redakteur der Zeitung DIE WELT und Kenner des Werks von Hermann Kurz.
Den Anfang macht am Donnerstag, 31. Oktober, um 20 Uhr Andreas Maier, der mit seinem Erfolgsroman „Das Zimmer“ bekannt wurde. In seiner neuen hessischen Recherche „Die Straße“, dritter Teil einer groß angelegten Familiensaga, blickt der 45-Jährige in die Abgründe der „Nahwelt“ und schildert die durch und durch sexualisierte bundesrepublikanische Gesellschaft der siebziger Jahre. Schauplatz seines Erinnerungsromans ist die verstörende Welt des Barbaraviertels der hessischen Provinzstadt Friedberg, die von Doktorspielen und pädophilen Hexenhausmännern beherrscht wird.
Mit der 30-jährigen Berlinerin Annika Scheffel ist am Samstag, 2. November, um 17 Uhr eine vielversprechende Newcomerin zu Gast. Sie präsentiert mit „Bevor alles verschwindet“ ihren zweiten Roman. Wie in einer Hängematte liegt der kleine Ort im Tal, wo es sich die Bewohner über die Jahre bequem gemacht haben. An Gott glaubt hier keiner, man glaubt an blaue Füchse und an kopflose Löwen. Doch nun soll ein riesiger Staudamm gebaut werden, die Zwangsumsiedlung steht bevor. Mit einem „magischen Realismus“ erzählt Scheffel mit viel Sprachwitz mehr als nur ein Untergangsmärchen. Ihr Roman kann auch als Gleichnis auf eine von globalen Krisen bedrohte Gesellschaft gelesen werden.
Am Dienstag, 5. November, um 20 Uhr begrüßt Tilman Krause die Stuttgarterin Anna Katharina Hahn. Die 43-Jährige, die mit ihrem Debüt „Kürzere Tage“ einen Bestseller gelandet hat, stellt ihren aktuellen Roman „Am Schwarzen Berg“ vor. Hahn setzt darin ihre kritisch-nüchterne Auseinandersetzung mit dem bildungsbürgerlichen Mikrokosmos der baden-württembergischen Landeshauptstadt fort. Dem Realismus verpflichtet, beeindruckt der 2012 für den Leipziger Buchpreis nominierte Roman durch atmosphärisch dichte, detailfreudige Beschreibungen. Eine Milieustudie zwischen Landschaftsschutzgebiet und Protestbewegung.

http://www.stadtbibliothek-reutlingen.de

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