Ausstellung

Das blaue Genie
Eine Ausstellung zum 200. Geburtstag von Hermann Kurz

Das blaue Genie – ein poetischer, vielversprechender Titel für eine Ausstellung, die in sechs begehbaren Büchern das bewegte Leben des Reutlingers Hermann Kurz im Spiegel der Zeitgeschichte erzählt und seine Bedeutung als Dichter, Schriftsteller und Publizist aufzeigt.
Das blaue Genie – das war zum einen der Spitzname von Hermann Kurz in Tübinger Studententagen, andererseits beschreibt dieses Bild auch pointiert einen ungemein ambitionierten und produktiven literarischen Alleskönner. Denn der am 30. November 1813 geborene Kurz zählt nicht nur als Dichter und Romanautor, sondern auch als Übersetzer, Herausgeber und politischer Redakteur und Publizist zu den interessantesten Schriftstellerpersönlichkeiten des 19. Jahrhunderts. Mit Georg Büchner, Friedrich Hebbel und Richard Wagner zählt er zum „Rebellenjahrgang“ 1813, der eine neue Epoche in Literatur und Musik begründet. Und obgleich er zeitlebens seiner württembergischen Heimat verbunden blieb, ist das Werk des Freundes von Berthold Auerbach, Ludwig Uhland, Eduard Mörike und Paul Heyse das eines schwäbischen Weltbürgers. Seine vielfältige Bedeutung für das Literaturland Baden-Württemberg ist neu zu entdecken.
Nach zwei der Kindheit in der ehemaligen Reichsstadt Reutlingen und der theologischen Ausbildung im Maulbronner Seminar und Tübinger Stift gewidmeten Kapiteln stellt die Ausstellung das wechselvolle berufliche Schicksal des freien Schriftstellers in den Mittelpunkt. 1836, gerade einmal 22 Jahre alt, wagt Hermann Kurz statt des Gangs auf die Kanzel den Sprung in die Selbstständigkeit in der damaligen Literaturhauptstadt Stuttgart. Nach vielversprechenden Erfolgen hat er jedoch schon bald unter den Zumutungen des Literaturbetriebs zu leiden. Nach vier Jahren des notgedrungenen „Exils“ in Karlsruhe, wo er in liberalen Kreisen verkehrt und politisiert wird, kehrt Kurz 1848 nach Stuttgart zurück und wird als Redakteur des demokratischen Oppositionsblattes „Der Beobachter“ bis 1854 zum Chronisten der Hoffnungen und Niederlagen der Revolution von 1848/49. Die Rückkehr in den Schriftstellerberuf bedeutet nach 1855 trotz rastloser Arbeit an zahlreichen literarischen Projekten vor allem wirtschaftliche Not; erst spät wird ihm öffentliche Anerkennung zuteil.
Die Ausstellung, die Hermann Kurz’ Biografie vor allem mit prägnanten Zitaten von ihm und über ihn erzählt und auch eine Hör- und Videostation beinhaltet, will damit auch zum Nachdenken über grundsätzliche Fragen anregen: Wie wird jemand zum Schriftsteller? Wie geht eine Gesellschaft mit ihren Talenten um? Ist Literatur als Lebensform überhaupt möglich? Und welches Risiko geht ein Autor ein, wenn er sich über das Schreiben hinaus auch aktiv am gesellschaftspolitischen Diskurs beteiligt?

Im Jubiläumsjahr 2013 wird die vom Heimatmuseums Reutlingen konzipierte Wanderausstellung an ausgewählten Lebensstationen von Hermann Kurz, unter anderem in Stuttgart, Tübingen, Esslingen und Kirchheim unter Teck, zu sehen sein.

Ausstellungstermine 2013

Weitere Stationen 2014 sind in Vorbereitung.

Veranstalter:

Heimatmuseum Reutlingen
Oberamteistraße 22
Telefon: 07121 303-2050
E-Mail: heimatmuseum@reutlingen.de
Internet: www.reutlingen.de/heimatmuseum

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